Gerste wird in Äthiopien oft als „Brot des armen Mannes“ und als ‚verwaiste Kulturpflanze‘ des äthiopischen Hochlands bezeichnet. Sie wird sowohl als Grundnahrungsmittel als auch als Tierfutter und zur Brauerei verwendet. Das Projekt soll zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in der Pflanzenzüchtung zur Biodiversität und Ernährungssicherheit in einem afrikanischen Land beitragen können.
Die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) von Erntegut wird eingesetzt, um agronomische Merkmale wie den Kornertrag, Krankheitsresistenzen oder Qualität vorherzusagen. Die dabei erhobenen Wellenlängen werden, ähnlich wie molekulare Marker, zur Vorhersage von Eigenschaften benutzt („phänomische Selektion“). Die wissenschaftlichen Ziele sind im Einzelnen: (1) Untersuchung der Faktoren, die die Genauigkeit der Vorhersagen beeinflussen, und auf der Grundlage dieser Erkenntnisse (2) Ermittlung von Anwendungsmöglichkeiten der Technologie in äthiopischen Zuchtprogrammen.
Dabei wurde bereits in Äthiopien in einem nationalen Züchtungsprogramm für Gerste eine große Datenmenge gesammelt, die die agronomischen und spektralen Eigenschaften von bis zu 1010 Genotypen in 7-20 Umwelten (d. h. Standort x Jahr-Kombinationen) umfasst. Nach einer biometrischen Analyse werden diese Daten die Grundlage eines modernen, hochinnovativen Schnellzüchtungsprogramms für Gerste mit einem optimierten Selektionsgewinn pro Jahr sein.